Infoblatt zur Wechselwirkung
Vitamin K und Vitamin-K-Antagonisten
Im Blick behalten: Eine gleichbleibende Zufuhr zählt mehr als die Menge.
Vitamin K wirkt der Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin oder Fluindion entgegen. Ein Präparat einzunehmen, ohne den Arzt zu informieren, kann den INR-Wert senken. Grünes Gemüse zu streichen, ist dagegen nicht sinnvoll: Eine gleichmäßige Zufuhr ist besser.
Kurz gesagt
- Mechanismus
- Vitamin-K-Antagonisten blockieren das Recycling von Vitamin K, das für die Blutgerinnung nötig ist. Eine plötzliche Zufuhr von Vitamin K schwächt ihre Wirkung.
- Ausmaß
- Effekt vor allem oberhalb von etwa 150 µg Vitamin K pro Tag und bei starken Schwankungen der Zufuhr.
- Wer ist betroffen?
- Personen, die Warfarin, Fluindion oder Acenocoumarol einnehmen. Direkte orale Antikoagulanzien sind von diesem Mechanismus nicht betroffen.
- Was tun?
- Die Zufuhr gleichmäßig halten, kein Vitamin-K- oder K2-Präparat ohne ärztlichen Rat beginnen, bei Änderungen den INR-Wert kontrollieren.
Muss man grünes Gemüse streichen?
Nein. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2016 kommt zu dem Schluss, dass die Daten keine Einschränkung von Vitamin K aus Lebensmitteln unter Vitamin-K-Antagonisten rechtfertigen. Ein Einfluss auf die Gerinnung zeigt sich vor allem bei hohen Zufuhrmengen über etwa 150 µg pro Tag und bei abrupten Änderungen. Was den INR-Wert aus dem Gleichgewicht bringt, sind Schwankungen, nicht die gewohnte Menge.
Der Fall der Nahrungsergänzungsmittel
Ein Präparat mit Vitamin K oder mit dem häufig zusammen mit Vitamin D angebotenen Vitamin K2 führt eine neue, regelmäßige Dosis zu, die den INR-Wert senken kann. Paradoxerweise verbesserten in einer Studie mit 70 Patienten mit instabilem INR-Wert täglich 150 µg Vitamin K unter ärztlicher Überwachung die Stabilität der Behandlung. Das ist eine ärztlich begleitete Strategie, keine Selbstmedikation.
Eine Übersicht über 120 Medikamente und Lebensmittel mit Wechselwirkungen mit Warfarin erinnert daran, dass auch viele Pflanzenpräparate und Nahrungsergänzungsmittel den INR-Wert verändern können.
In der Praxis
Was du tun kannst
- Behalte stabile Ernährungsgewohnheiten bei, einschließlich grünem Gemüse.
- Beginne oder beende die Einnahme eines Vitamin-K- oder K2-Präparats nicht ohne Rücksprache mit deinem Arzt.
- Gib jedes neue Nahrungsergänzungsmittel an: Viele Pflanzen verändern die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten.
Wann du Rat einholen solltest
- Nasen- oder Zahnfleischbluten, ungewöhnliche blaue Flecken, dunkler Urin oder Stuhl: Such rasch ärztlichen Rat.
- Größere Ernährungsumstellung: Diät, Fasten, Reise.
- Du möchtest ein Vitamin-D-Präparat mit K2 einnehmen.
Hauptquellen
- 01Violi F et al. Interaction between dietary vitamin K intake and anticoagulation by vitamin K antagonists: is it really true? A systematic review. Medicine, 2016. PubMed
- 02Sconce E et al. Vitamin K supplementation can improve stability of anticoagulation for patients with unexplained variability in response to warfarin. Blood, 2007. PubMed
- 03Holbrook AM et al. Systematic overview of warfarin and its drug and food interactions. Archives of Internal Medicine, 2005. PubMed
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Darf man unter Gerinnungshemmern Spinat essen?
Ja, auch unter Vitamin-K-Antagonisten. Wichtig sind gleichbleibende Mengen von Woche zu Woche, statt zwischen großen Portionen und gar nichts zu wechseln.
Ist Vitamin K2 zusammen mit Warfarin gefährlich?
Es kann die Wirkung von Warfarin verringern. Nimm es nicht ohne ärztlichen Rat und ohne INR-Kontrolle ein.
Sind die neueren Gerinnungshemmer betroffen?
Direkte orale Antikoagulanzien wie Apixaban oder Rivaroxaban wirken nicht über Vitamin K. Sie haben andere Wechselwirkungen, die du mit deinem Apotheker abklären solltest.

