EKG bei Sportlern: Invertierte T-Wellen sind selten, doch das damit verbundene Risiko bleibt unklar

Eine Besonderheit im Elektrokardiogramm kann mit der Anpassung des Herzens an körperliche Belastung einhergehen, ohne zwangsläufig harmlos zu sein. Eine systematische Übersichtsarbeit schätzt, dass T-Wellen-Inversionen nach internationalen Kriterien 4 % der Sportler über 16 Jahren betreffen. Sie sind häufiger als bei Nicht-Sportlern, doch die Daten erlauben keine genaue Bestimmung des damit verbundenen kardiovaskulären Risikos. Die hier vorliegende Analyse stützt sich auf die PubMed-Zusammenfassung, nicht auf den Volltext.

Elektrokardiogramm mit einer T-Wellen-Inversion.
TrainingRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Eine Zusammenfassung von 115 Studien

Die Forschenden wählten aus 4.509 identifizierten Artikeln 115 Studien mit insgesamt 258.954 Personen aus. Die Übersichtsarbeit untersuchte die Häufigkeit von T-Wellen-Inversionen und zugrunde liegenden Herzanomalien bei Sportlern verschiedener Sportarten, Geschlechter und ethnischer Gruppen.

Die Auswertung verwendete ein statistisches Modell, das Unterschiede zwischen den Studien berücksichtigen sollte. Analysen nach Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft und diagnostischen Kriterien waren vorgesehen. Trotz dieses Vorgehens berichten die Autoren von einer hohen Heterogenität: Die Ergebnisse unterschieden sich deutlich von Studie zu Studie.

Eine Besonderheit, die bei Sportlern häufiger vorkommt

Bei Sportlern über 16 Jahren betrug die Gesamthäufigkeit von T-Wellen-Inversionen 4 %, wenn die internationalen Kriterien angewendet wurden. Bei schwarzen Sportlern war sie höher.

Im Vergleich zu Nicht-Sportlern betrug das Prävalenzverhältnis 1,49, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,13 bis 1,97. Dieser Vergleich betrifft die Häufigkeit eines EKG-Zeichens, nicht die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse. Die Zusammenfassung nennt für diesen Vergleich keine absoluten Häufigkeiten der beiden Gruppen.

Ein Zeichen, das allein keine Diagnose erlaubt

Den Autoren zufolge kann eine T-Wellen-Inversion einen belastungsbedingten Umbau der Herzkammern widerspiegeln. Diese mögliche physiologische Erklärung erlaubt es jedoch nicht, eine strukturelle Herzerkrankung auszuschließen: Die Autoren betonen die Notwendigkeit einer gründlichen Abklärung.

Unter den Sportlern mit solchen Inversionen schwankte die Häufigkeit diagnostizierter Kardiomyopathien stark. In den meisten Studien lag sie unter 1 %, aber nicht unbedingt in allen. Dieses Ergebnis ist daher keine individuelle Garantie dafür, dass keine Erkrankung vorliegt.

Die Prognose bleibt schwer einzuschätzen

Akute kardiovaskuläre Ereignisse waren in den meisten Studien selten. Ihre Seltenheit, die geringe statistische Aussagekraft und die Unterschiede zwischen den Studien verhindern jedoch eine belastbare Schätzung des mit T-Wellen-Inversionen verbundenen Risikos.

Die hilfreiche Unterscheidung lautet daher: Ein ungewöhnlicher EKG-Befund ist nicht automatisch eine Erkrankung, doch sein vergleichsweise häufiges Auftreten bei Sportlern rechtfertigt es nicht, ihn zu verharmlosen. Diese Metaanalyse liefert keine Regel, anhand derer man allein entscheiden könnte, das Training fortzusetzen oder zu unterbrechen.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Es wurde nur die PubMed-Zusammenfassung herangezogen. Die Heterogenität ist hoch und die statistische Aussagekraft für kardiovaskuläre Ereignisse begrenzt. Die Nachbeobachtungszeiten, die Einzelheiten der Studien sowie Finanzierungen oder Interessenkonflikte konnten anhand des Dossiers nicht überprüft werden.

Was wir daraus mitnehmen können

T-Wellen-Inversionen sind bei Sportlern selten und bedeuten nicht zwangsläufig eine Kardiomyopathie. Ihre Interpretation erfordert jedoch eine Abklärung, da das kardiovaskuläre Risiko unklar bleibt.

Quellen und Herkunft

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