Stress bei pflegenden Angehörigen: mobiles Programm getestet, Wirksamkeit nicht nachgewiesen

Übungen auf dem Smartphone können den Zugang zu Unterstützung erleichtern, garantieren aber keine Stressreduktion. Eine randomisierte Pilotstudie mit 30 pflegenden Familienangehörigen lateinamerikanischer Herkunft aus der Millennial-Generation in den USA untersuchte ein Programm, das Achtsamkeit und Tagebuchschreiben verbindet. Die Studie liefert vor allem Erkenntnisse zur Machbarkeit: Eine Wirksamkeitsprüfung wurde nicht durchgeführt.

Illustration eines Smartphones, auf dem ein Tagebuch und eine Achtsamkeitsübung angezeigt werden.
MindsetRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Ein automatisiertes Programm über vier Wochen

Die Teilnehmenden wurden einer kulturell angepassten mobilen Intervention oder einer Wartelistengruppe zugeteilt. Vier Wochen lang bot die Plattform täglich Achtsamkeitsübungen und Anregungen zum Tagebuchschreiben an. Die Kontrollgruppe erhielt ein schriftliches Dokument zu Achtsamkeit, Tagebuchschreiben und Unterstützungsangeboten.

Die Forschenden erhoben Messwerte zu Beginn sowie nach zwei, vier und sechs Wochen. Sie interessierten sich insbesondere für die empfundene Belastung der pflegenden Angehörigen und den wahrgenommenen Stress sowie für Wohlbefinden und erhaltene Unterstützung. Mit dieser Vergleichsbedingung lässt sich das Programm also nicht einer Situation ohne jegliche Information gegenüberstellen.

Belastung und Stress entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen

In der Interventionsgruppe sank der mediane Belastungswert von 20 vor der Intervention auf 15 danach. Der mediane Stresswert stieg dagegen von 19,50 auf 21. In der Kontrollgruppe blieben die Medianwerte beider Messgrößen unverändert.

Diese deskriptiven Veränderungen belegen weder eine Verringerung der Belastung noch eine durch das Programm verursachte Zunahme des Stresses. Ohne Wirksamkeitsprüfung und bei einer so kleinen Stichprobe lässt sich daraus nicht schließen, dass die Intervention besser oder schlechter abschneidet als das schriftliche Dokument.

Wohlbefinden, positive Affekte und informationsbezogene Unterstützung nahmen in beiden Gruppen zu. Diese Ergebnisse lassen sich daher nicht spezifisch der mobilen Plattform zuschreiben.

Die Adhärenz bleibt die größte Baustelle

Von den 30 rekrutierten Teilnehmenden schlossen 21 die Datenerhebung nach sechs Wochen ab. Das entspricht einer Verbleibquote von 70 %. Die deskriptiven Ergebnisanalysen beziehen sich auf diese Teilnehmenden. Ihre Aussagekraft ist daher eingeschränkt, falls Personen, die die Studie abgebrochen haben, andere Erfahrungen gemacht hatten.

Das Tagebuchschreiben wurde den Achtsamkeitsübungen vorgezogen, und die Adhärenz unterschied sich je nach Aktivität. Die Autoren sehen deshalb Anpassungsbedarf bei den Inhalten und der Umsetzung des Programms. Darin liegt der Nutzen dieser Pilotstudie: Hindernisse erkennen, bevor versucht wird, eine Wirksamkeit nachzuweisen.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Es wurde nur die PubMed-Zusammenfassung eingesehen, nicht der Volltext. Die Stichprobe ist klein, die Ergebnisse sind deskriptiv, und eine Wirksamkeitsprüfung wurde nicht durchgeführt. Die untersuchte Population repräsentiert nicht alle pflegenden Angehörigen. Finanzierung und Interessenkonflikte wurden nicht überprüft.

Was wir daraus mitnehmen können

Diese Pilotstudie rechtfertigt keine Empfehlung der Plattform zur Stressreduktion bei pflegenden Angehörigen. Sie zeigt vor allem, dass bei einem mobilen Unterstützungsangebot Adhärenz und Verbleibquote noch verbessert werden müssen, bevor die Wirksamkeit untersucht wird.

Quellen und Herkunft

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