Eine Übersichtsarbeit mit Fokus auf psychotische Störungen
Die Forschenden untersuchten Zusammenhänge zwischen Cortisol und Kognition im Kontext psychotischer Störungen. Ihre systematische Übersichtsarbeit umfasst zwölf Studien mit 940 Teilnehmenden, von denen etwa drei Viertel eine psychotische Störung aufweisen.
Neun Studien mit insgesamt 822 Teilnehmenden lieferten verwertbare Daten für die Metaanalysen. Die Analysen bezogen sich auf basales Cortisol und mehrere kognitive Bereiche: Gesamtleistung, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen sowie verbales Lernen und Gedächtnis.
Das Dossier bietet lediglich Zugang zur PubMed-Zusammenfassung, nicht zum Volltext. Die Studiendauer, die genauen Verfahren der Probenentnahme und die Merkmale der Vergleichsgruppen lassen sich hier daher nicht näher angeben.
Ein spezifisches Signal, kein allgemeiner Zusammenhang
Das wichtigste Ergebnis betrifft den Zeitpunkt der Probenentnahme. Höhere Cortisolwerte am Nachmittag oder Abend waren mit schlechteren exekutiven Leistungen verbunden. Der Messzeitpunkt beeinflusste den beobachteten Zusammenhang zwischen Cortisol und exekutiven Funktionen signifikant.
Die Autoren finden keinen weiteren robusten Zusammenhang zwischen Cortisol und Kognition. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt einen negativen Zusammenhang zwischen morgendlichem Cortisol und dem Bereich, der Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit zusammenfasst – allerdings erst nach Ausschluss einer einflussreichen Studie. Dieses Ergebnis hängt somit von der Auswahl der einbezogenen Studien ab.
Was sich aus dieser Studie mitnehmen lässt
Diese Ergebnisse widersprechen der einfachen Lesart, dass mehr Cortisol grundsätzlich mit schlechterer Kognition einhergeht. In dieser Übersichtsarbeit hängt der Zusammenhang sowohl vom kognitiven Bereich als auch vom Zeitpunkt der Probenentnahme ab.
Es handelt sich um Zusammenhänge, nicht um eine Interventionsstudie zur Veränderung des Cortisolspiegels. Die Übersichtsarbeit zeigt daher nicht, dass eine Senkung des Cortisolspiegels die exekutiven Funktionen verbessern würde. Sie erlaubt auch keine Übertragung der Ergebnisse auf Menschen ohne psychotische Störung.
Die Autoren fordern präzisere Untersuchungen der Cortisoldynamik. Angaben zur Finanzierung und zu Interessenkonflikten fehlen im bereitgestellten Auszug und konnten nicht überprüft werden.
Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest
Es wurde ausschließlich die PubMed-Zusammenfassung herangezogen. Die Zusammenhänge belegen keine Kausalität. Die Heterogenität im Detail, mögliche Störfaktoren, die Finanzierung und Interessenkonflikte lassen sich anhand des bereitgestellten Auszugs nicht beurteilen.
Was wir daraus mitnehmen können
Bei psychotischen Störungen scheint der Zusammenhang zwischen basalem Cortisol und Kognition eher spezifisch als allgemein zu sein. Das am späteren Tag beobachtete Signal sollte genauer untersucht werden, rechtfertigt aber keine Intervention zur Senkung des Cortisolspiegels.
Quellen und Herkunft
- Cortisol and cognition in psychotic disorders: A systematic review and multi-level meta-analysis.
Datum der Quelle: 2026-10-14.
Systematic Review, Journal Article, Meta-Analysis, Review · Résumé PubMed uniquement, texte intégral non consulté


