Medizinisches Cannabis bei Schlaflosigkeit: Cochrane-Review bestätigt keinen eindeutigen Nutzen

Medizinisches Cannabis wird gegen Schlaflosigkeit eingesetzt, doch seine Wirksamkeit ist weiterhin unzureichend belegt. Ein Cochrane-Review mit neun Studien und 537 Erwachsenen bestätigt gegenüber Placebo keine klinisch relevante Verbesserung der Schlafqualität oder Schlafdauer. Die Evidenz ist allerdings zu unsicher, um daraus auf eine fehlende Wirkung zu schließen.

Illustration von Schlaf und einem Cannabisblatt als Hinweis auf die Bewertung von medizinischem Cannabis gegen Schlaflosigkeit.
SchlafRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Neun Studien, unterschiedliche Präparate

Die Forschenden suchten bis zum 5. April 2025 nach randomisierten Studien. Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 76 Jahre alt und überwiegend Frauen. Die Studien untersuchten vor allem primäre Insomnie, wobei sich drei Studien mit akuter und sechs mit chronischer Insomnie befassten.

Acht Studien verglichen medizinisches Cannabis mit einem Placebo. Nur eine verwendete einen aktiven Vergleichswirkstoff: das Antidepressivum Amitriptylin. Zwei Studien untersuchten zugelassene Arzneimittel und sieben individuell angefertigte Rezepturpräparate. Aufgrund dieser Unterschiede lässt sich medizinisches Cannabis nicht als einheitliche Intervention betrachten.

Mehr Schlaf bleibt ungewiss

Für die Gesamtschlafdauer ergibt die Analyse von sechs Studien mit 194 Teilnehmenden einen geschätzten mittleren Unterschied von 7,68 Minuten zugunsten von medizinischem Cannabis gegenüber Placebo. Das Konfidenzintervall reicht jedoch von 23,04 Minuten weniger bis zu 38,39 Minuten mehr Schlaf. Das Ergebnis ist somit mit einer Abnahme, keinem Unterschied oder einer Zunahme der Schlafdauer vereinbar.

Auch bei der Schlafqualität und der Funktionsfähigkeit am Tag ist kein Nutzen eindeutig belegt. Die Ergebnisse unterscheiden sich stark zwischen den Studien, und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist sehr gering. Auch bei der Lebensqualität zeigt sich ein günstiges Signal, dessen Unsicherheit es jedoch nicht erlaubt, von einem gesicherten Nutzen zu sprechen.

Auch die Sicherheit ist nicht besser belegt

Drei Studien mit 98 Teilnehmenden deuten darauf hin, dass unter medizinischem Cannabis mehr Nebenwirkungen auftreten als unter Placebo. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Schätzung ist gering. Die vorliegende Zusammenfassung enthält keine Angaben zu Art und Schwere dieser Ereignisse, was die praktische Einordnung des Risikos einschränkt.

Die Autoren fordern besser konzipierte Studien mit mehr Teilnehmenden, längerer Nachbeobachtung und einer detaillierten Darstellung sowohl des Nutzens als auch der Risiken. Insbesondere lassen die verfügbaren Daten keine abschließende Beurteilung langfristiger Nebenwirkungen zu.

Was dieser Review verändert

Diese Übersicht rechtfertigt es nicht, medizinisches Cannabis als Behandlung mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen Schlaflosigkeit darzustellen. Sie beweist aber auch nicht, dass kein Präparat manchen Patienten helfen könnte. Sie zeigt vor allem, dass die bisherigen Studien keine ausreichend verlässliche Bewertung des Verhältnisses von Nutzen und Risiken ermöglichen.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Es wurde nur die PubMed-Zusammenfassung herangezogen, nicht der Volltext. Die Evidenz ist durch ein hohes Verzerrungsrisiko, widersprüchliche Studienergebnisse und unpräzise Ergebnisse eingeschränkt. Die genaue Dauer der Studien und mögliche Interessenkonflikte wurden im Dossier nicht überprüft. Laut eigenen Angaben erhielt der Review keine eigens dafür vorgesehene Finanzierung.

Was wir daraus mitnehmen können

Der Nutzen von medizinischem Cannabis gegen Schlaflosigkeit bleibt ungewiss, während zusätzliche Nebenwirkungen möglich sind. Dieser Review bietet keine solide Grundlage für das Versprechen eines besseren Schlafs.

Quellen und Herkunft

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