Wein nach urologischer Operation: kein nachgewiesener Nutzen für die psychische Gesundheit nach 30 Tagen

Verbessert es die Erholung gewohnheitsmäßiger Weinkonsumenten, wenn sie nach einer Operation weiter Wein trinken? Die randomisierte WISE-Studie zeigt keinen Nutzen beim primären Endpunkt, einem nach 30 Tagen gemessenen Wert für die psychische Gesundheit. Die Studie wurde überwiegend mit älteren Männern durchgeführt, die sich einer urologischen Operation unterzogen hatten. Sie lässt auch nicht den Schluss zu, dass dieser Konsum risikofrei ist. Im Dossier liegt nur die PubMed-Zusammenfassung vor.

Ein Glas Rotwein neben einem Glas Wasser auf einem Tisch.
ErnährungRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Rotwein im Vergleich zu Abstinenz

Diese an einem einzigen Zentrum durchgeführte Studie teilte gewohnheitsmäßige Weinkonsumenten vor einer geplanten urologischen Operation nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Abstinenz oder standardisierter Rotweinkonsum vom ersten bis zum dreißigsten Tag nach der Operation.

Der primäre Endpunkt war der Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Veränderung des Mental Health Index aus dem SF-36-Fragebogen zwischen Studienbeginn und dem dreißigsten Tag. Die Forschenden erfassten außerdem Komplikationen, erneute Krankenhausaufnahmen, die Dauer des Krankenhausaufenthalts sowie mehrere Blutparameter und Marker für oxidativen Stress.

Geringer und unsicherer Unterschied beim primären Endpunkt

Der Wert für die psychische Gesundheit sank in der Abstinenzgruppe im Mittel um 0,6 Punkte und stieg in der Weingruppe um 0,7 Punkte. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug somit 1,3 Punkte, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von −1,9 bis 4,6 Punkten. Dieses Ergebnis belegt keine Verbesserung durch Wein.

Komplikationen traten bei 16,1 % der Teilnehmenden in der Abstinenzgruppe auf, gegenüber 9,8 % in der Weingruppe. Die Raten erneuter Krankenhausaufnahmen innerhalb von 30 Tagen lagen bei 8,1 % beziehungsweise 0 %. Diese Unterschiede waren statistisch nicht signifikant: Aus den Prozentwerten allein lässt sich daher keine Schutzwirkung ableiten.

Die Dauer des Krankenhausaufenthalts unterschied sich nicht signifikant. Die Zusammenfassung berichtet auch keine klinisch relevanten Unterschiede bei den Blutparametern und den Markern für oxidativen Stress.

Weder ein Grund, damit anzufangen, noch ein Beleg für Unbedenklichkeit

Entscheidend ist diese Unterscheidung: Wenn nicht mehr Komplikationen festgestellt werden, beweist das nicht, dass beide Optionen gleich sicher sind. Die Teilnehmerzahl wird in der vorliegenden Zusammenfassung nicht angegeben. Dadurch lässt sich insbesondere nicht beurteilen, wie gut die Studie seltene Ereignisse erkennen konnte.

Diese Ergebnisse betreffen gewohnheitsmäßige Konsumenten, überwiegend ältere Männer, in einem bestimmten chirurgischen Kontext und über einen Zeitraum von 30 Tagen. Sie sind nicht direkt auf Menschen übertragbar, die keinen Wein trinken, auf andere Operationen oder auf die langfristigen Folgen von Alkohol. Die Autoren stellen klar, dass ihre Ergebnisse weder dafür sprechen, mit dem Alkoholkonsum anzufangen, noch dafür, ihn zu fördern.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Nur die PubMed-Zusammenfassung verfügbar, Volltext nicht eingesehen. Monozentrische Studie, Teilnehmerzahl in der Zusammenfassung nicht angegeben, überwiegend männliche und ältere Studienpopulation, Nachbeobachtung über 30 Tage. Finanzierung und Interessenkonflikte nicht überprüft.

Was wir daraus mitnehmen können

In dieser Studie zeigte Rotwein nach einer urologischen Operation keinen nachgewiesenen Nutzen für die psychische Gesundheit nach 30 Tagen. Dass bei den Komplikationen kein signifikanter Unterschied festgestellt wurde, ist kein Sicherheitsnachweis.

Quellen und Herkunft

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