Eine Ergänzung während einer intensiven Psychotherapie im Test
Die Studie schloss 36 Personen ein, die zur Hälfte ihrer dialektisch-behavioralen Therapie noch klinisch bedeutsame Symptome aufwiesen. Per Zufallszuteilung kamen 23 Teilnehmende in die Gruppe, die zusätzlich Amygdala-Neurofeedback mittels funktioneller Echtzeit-MRT erhielt, und 13 in die Gruppe, die ausschließlich die Psychotherapie fortsetzte.
Beim Neurofeedback wird hier die Hirnaktivität gemessen, damit die Teilnehmenden üben können, sie zu beeinflussen. Die Hypothese lautete, dass das Erlernen einer Senkung der Amygdala-Aktivität die Emotionsregulation zusätzlich verbessern würde. Diese biologische Hypothese musste sich jedoch erst noch in einem Nutzen im Alltag niederschlagen.
Der primäre Endpunkt war die emotionale Instabilität, erfasst durch wiederholte Messungen im Alltag. Die Forschenden erhoben außerdem Fragebogendaten und Messwerte aus der Hirnbildgebung vor und nach der Intervention sowie bei Nachuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten.
Veränderungen im Gehirn, ohne konsistenten klinischen Vorteil
Den Teilnehmenden gelang es, die Aktivität der Amygdala während des Neurofeedbacks zu senken. Auch einige bildgebende Messungen zeigten Veränderungen nach der Intervention, insbesondere vorübergehende Abnahmen der Aktivität dieser Region während einer Aufgabe zur Emotionsregulation.
Die Alltagsmessungen zeigten jedoch keine konsistente Überlegenheit des Neurofeedbacks als Ergänzung zur Psychotherapie. Negative Emotionen, innere Anspannung und emotionale Instabilität verbesserten sich im Laufe der Zeit, ohne dass für diese Gruppe ein zusätzlicher Vorteil eindeutig belegt wurde.
Auch die Fragebögen zeigten keinen zusätzlichen Nutzen. Die mit der BSL-23 gemessenen Werte für Borderline-Symptome stiegen nach der Entlassung in beiden Gruppen an. Die Ergebnisse auf Hirnebene können daher nicht als Beleg für eine klinische Verbesserung dargestellt werden.
Begrenzte Aussagekraft durch kleine Stichprobe und Ausfälle bei der Nachbeobachtung
Die Untersuchungen nach der Behandlung wurden von 15 Teilnehmenden der Neurofeedback-Gruppe und 9 der Kontrollgruppe abgeschlossen. Bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten waren es noch 12 beziehungsweise 7. Diese Ausfälle bei der Nachbeobachtung verringern zusammen mit der bereits zu Beginn kleinen Stichprobe die Präzision der Schlussfolgerungen.
Diese Studie belegt nicht, dass Neurofeedback in allen Kontexten unwirksam ist. Sie weist keinen zusätzlichen klinischen Nutzen nach, wenn es ergänzend zu dieser intensiven stationären Psychotherapie eingesetzt wird. Sie erlaubt auch keine Schlussfolgerungen zum alleinigen Einsatz oder zur Anwendung in anderen Populationen.
Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest
Es wurde nur die PubMed-Zusammenfassung herangezogen, nicht der Volltext. Die kleine Stichprobe und die Ausfälle bei der Nachbeobachtung begrenzen die Möglichkeit, einen zusätzlichen Nutzen nachzuweisen. Die Zusammenfassung enthält weder detaillierte Schätzungen der klinischen Effekte noch Sicherheitsdaten. Finanzierung und Interessenkonflikte wurden nicht überprüft.
Was wir daraus mitnehmen können
Mit Neurofeedback ließ sich die Aktivität der Amygdala beeinflussen. Diese Pilotstudie rechtfertigt jedoch nicht, einen zusätzlichen Nutzen für die Symptome als Ergänzung zu einer intensiven dialektisch-behavioralen Therapie zu versprechen.
Quellen und Herkunft
- Amygdala neurofeedback as an adjunct to residential dialectical behavior therapy for borderline personality disorder: a pilot randomized controlled trial.
Datum der Quelle: 2026-10-16.
Journal Article, Randomized Controlled Trial · Résumé PubMed uniquement, texte intégral non consulté


