Eine Störung, die über die Kernsymptome der posttraumatischen Belastungsstörung hinausgeht
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung verbindet die Kernsymptome der posttraumatischen Belastungsstörung mit Störungen der Selbstorganisation: Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, ein negatives Selbstbild und Beziehungsprobleme.
Zwangsvertriebene Bevölkerungsgruppen sind häufig schweren, lang anhaltenden oder wiederholten Traumatisierungen ausgesetzt, denen sie nur schwer entkommen können. Die Übersichtsarbeit soll die Häufigkeit dieser Störung in diesen Bevölkerungsgruppen quantifizieren und untersuchen, welchen zusätzlichen Erkenntniswert das Konzept gegenüber der posttraumatischen Belastungsstörung bietet.
Ein beschreibender Durchschnitt, keine allgemeingültige Prävalenz
Die Forschenden durchsuchten fünf Datenbanken bis Januar 2026. Sie schlossen 20 Studien mit 17 unabhängigen Stichproben und 12.504 Teilnehmenden ein und führten anschließend eine Metaanalyse mit zufälligen Effekten durch.
Die gepoolte Prävalenz beträgt 20,9 %, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 12,6 % bis 32,6 %. Die Autoren behandeln diesen Wert jedoch als beschreibende Zusammenfassung der eingeschlossenen Studien, nicht als Schätzung, die auf alle vertriebenen Menschen anwendbar ist.
Die berichteten Prävalenzen reichen von 3,0 % bis 74,6 %. Die Heterogenität zwischen den Studien ist mit einem I² von 98,3 % sehr hoch. Diese Streuung ist ein zentrales Ergebnis: Wer nur den Durchschnitt nennt, lässt einen großen Teil der Information verschwinden.
Rekrutierung und Lebensbedingungen spielen eine Rolle
Die mittleren Schätzwerte liegen bei 10,6 % in gemeindebasiert rekrutierten Stichproben, gegenüber 55,2 % bei Menschen, die Behandlung suchen. Diese Gruppen sind also nicht austauschbar. Auch Asylsuchende weisen eine höhere Prävalenz auf als Flüchtlinge; eine konkrete Schätzung wird in der Zusammenfassung jedoch nicht genannt.
In vier Studien sind Schwierigkeiten nach der Migration, insbesondere rechtliche Unsicherheit, Armut und Marginalisierung, stärker mit Störungen der Selbstorganisation assoziiert als mit den Kernsymptomen der posttraumatischen Belastungsstörung. Dieses Ergebnis deutet auf die Bedeutung der aktuellen Lebensbedingungen hin, doch diese Zusammenhänge allein belegen keine Kausalität.
Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest
Die Daten sind begrenzt und geografisch ungleich verteilt, was eine weltweite Hochrechnung verhindert. Die sehr hohe Heterogenität schränkt die Aussagekraft des gepoolten Durchschnitts ein. Es wurde nur die bereitgestellte PubMed-Zusammenfassung herangezogen, nicht der Volltext. Finanzierung und Interessenkonflikte konnten nicht überprüft werden.
Was wir daraus mitnehmen können
Die wichtigste Erkenntnis ist keine einzelne Prävalenzzahl: Die geschätzte Häufigkeit der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung variiert stark je nach Bevölkerungsgruppe und Rekrutierung. Neben früheren Traumatisierungen verdienen auch die Lebensbedingungen nach der Vertreibung Beachtung.
Quellen und Herkunft
- Complex post-traumatic stress disorder in refugees, asylum seekers, and internally displaced people: a systematic review and meta-analysis.
Datum der Quelle: 2026-10-20.
Journal Article, Systematic Review, Meta-Analysis, Review · Résumé PubMed uniquement, texte intégral non consulté


