Probiotika: Keine nachgewiesene Senkung zweier gerinnungsbezogener Marker

Können Probiotika und Synbiotika Marker verändern, die mit dem kardiovaskulären und thrombotischen Risiko verbunden sind? Eine Metaanalyse mit 892 Erwachsenen findet keine statistisch signifikante Senkung von Fibrinogen oder des Plasminogenaktivator-Inhibitors Typ 1, kurz PAI-1. Die geringe Sicherheit der Evidenz erlaubt jedoch nicht den Schluss, dass eine Wirkung endgültig ausgeschlossen ist.

Illustration von Probiotika und einem Blutgefäß als Hinweis auf die Untersuchung gerinnungsbezogener Marker.
NahrungsergänzungsmittelRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Zwei Marker, keine Messung kardiovaskulärer Ereignisse

Hohe Konzentrationen von Fibrinogen und PAI-1 sind mit einer beeinträchtigten Fibrinolyse, also einer schlechteren Auflösung von Blutgerinnseln, sowie einem erhöhten kardiovaskulären und thrombotischen Risiko verbunden. Dieser Zusammenhang bedeutet nicht, dass eine Intervention, die diese Marker verändert, automatisch Herzinfarkte oder Thrombosen verringern würde.

Die Autoren sprechen einen möglichen Einfluss von Probiotika und Synbiotika auf Entzündungswege und Gerinnungsmechanismen an. Dabei handelt es sich um eine biologische Hypothese, nicht um einen Nachweis für einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die hier untersuchte Frage betrifft ausschließlich die Blutkonzentrationen der beiden Marker.

Was die Forschenden verglichen haben

Die Übersichtsarbeit umfasst 15 randomisierte Studien mit insgesamt 892 erwachsenen Teilnehmenden, ohne Einschränkung hinsichtlich ihres Gesundheitszustands. Die Studien verglichen eine orale Supplementierung mit Probiotika oder Synbiotika mit einem Placebo oder keiner Intervention.

Die Literaturrecherche umfasste fünf wissenschaftliche Datenbanken bis Juni 2025. Die Forschenden führten die Ergebnisse mit einem Modell mit zufälligen Effekten zusammen und bewerteten die Sicherheit der Evidenz mit der GRADE-Methode. Die verfügbare Zusammenfassung enthält keine näheren Angaben zu den Formulierungen, Dosierungen oder Studiendauern. Daher lässt sich daraus weder ein bevorzugtes Produkt noch ein bevorzugtes Supplementierungsschema ableiten.

Keine signifikante Senkung, aber anhaltende Unsicherheit

Die zusammengefassten Ergebnisse zeigen keine statistisch signifikante Senkung von Fibrinogen oder PAI-1. Auch die Subgruppenanalysen und die Metaregression ergaben keine signifikanten Unterschiede im Effekt in Abhängigkeit von den untersuchten Merkmalen.

Dieses Ergebnis beweist nicht, dass alle Formulierungen in allen Bevölkerungsgruppen unwirksam sind. Die Autoren bewerten die Sicherheit der Evidenz als gering, da die Ergebnisse zwischen den Studien uneinheitlich und unpräzise sind. Die Übersichtsarbeit weist somit keinen Nutzen nach, klärt die Frage für eine bestimmte Formulierung oder Patientengruppe aber auch nicht endgültig.

Für eine Kaufentscheidung ist diese Unterscheidung wichtig: Die Studie liefert kein belastbares Argument dafür, ein Probiotikum oder Synbiotikum zur Senkung dieser beiden Marker auszuwählen. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass diese Nahrungsergänzungsmittel kardiovaskulären Ereignissen vorbeugen.

Eine Übersichtsarbeit mit Einschränkungen

Die Übersichtsarbeit wurde nicht prospektiv registriert. Ihre Registrierung erfolgte nach ihrem Abschluss, am 5. September 2026. Diese zeitliche Abfolge schränkt die Möglichkeit ein, zu überprüfen, ob die Analysen vor der Sichtung der Ergebnisse festgelegt worden waren.

Es wurde nur die im Dossier bereitgestellte PubMed-Zusammenfassung herangezogen, nicht der Volltext. Finanzierung, Interessenkonflikte und Sicherheitsdaten wurden nicht überprüft. Das Dossier nennt den 7. Oktober 2026 als Veröffentlichungsdatum; dieses ist vom Enddatum der Literaturrecherche zu unterscheiden.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Uneinheitliche und unpräzise Ergebnisse, geringe Evidenzsicherheit nach GRADE und retrospektive Registrierung der Übersichtsarbeit. Die Zusammenfassung allein erlaubt keine Prüfung der Formulierungen, Dosierungen, Anwendungsdauern, Sicherheit oder Interessenkonflikte. Die untersuchten Endpunkte sind Biomarker, keine kardiovaskulären Ereignisse.

Was wir daraus mitnehmen können

Diese Metaanalyse weist nicht nach, dass Probiotika oder Synbiotika Fibrinogen oder PAI-1 senken. Bei Evidenz von geringer Sicherheit und Ergebnissen, die sich auf Biomarker beschränken, würde ein Versprechen zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen über die verfügbaren Daten hinausgehen.

Quellen und Herkunft

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