Waldumgebung auf der herzchirurgischen Intensivstation: Machbarkeit untersucht, Wirksamkeit nicht nachgewiesen

Die Umgebung auf der Intensivstation so zu verändern, dass sie biologische Rhythmen besser unterstützt, ist ein Ansatz – noch keine nachgewiesene Delirprävention. In einer randomisierten Machbarkeitsstudie in Österreich nach Herzoperationen ließen sich eine Waldumgebung und eine Lichtexposition in die Versorgung integrieren. Ob sie diese Komplikation verringern, lässt sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.

Illustration eines Zimmers auf einer herzchirurgischen Intensivstation mit einer visuellen Waldumgebung.
SchlafRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Zeitliche Orientierung als Ausgangshypothese

Das postoperative Delir, auch akutes Verwirrtheitssyndrom genannt, ist eine schwerwiegende Komplikation nach einer Herzoperation. Es ist mit Störungen des Schlafs und der zirkadianen Rhythmen verbunden. Auf Intensivstationen fehlen häufig natürliche zeitliche Orientierungshilfen, was diese Störungen verstärken könnte.

Die Hypothese der Forschenden lautet daher, die Umgebung zu verändern, um diese Rhythmen zu unterstützen. Diese biologische Überlegung belegt allerdings nicht, dass eine Waldkulisse oder eine Lichtexposition einem Delir vorbeugen.

Eine Studie, die vor allem die Umsetzung prüfen sollte

Die Studie wurde auf einer österreichischen Intensivstation mit herzchirurgischem Schwerpunkt durchgeführt. Sie umfasste 77 Erwachsene nach einer geplanten Operation, von denen 64 in die abschließende Analyse eingingen. Vorgesehen waren drei Gruppen: Waldumgebung, Lichtexposition und übliche Versorgung.

Die Interventionen wurden 12 Stunden pro Tag angewendet. Die Zusammenfassung nennt weder die genauen Merkmale der Waldumgebung noch die des Lichts. Zu drei postoperativen Zeitpunkten wurde mit zwei Instrumenten, CAM-ICU und ICDSC, auf ein Delir untersucht.

Das primäre Ziel betraf die Rekrutierung, die Möglichkeit, die Interventionen in die Versorgung zu integrieren, und ihre Sicherheit. Die Delirbeurteilung war ein sekundäres, deskriptives Ziel und kein Wirksamkeitsnachweis.

Zu wenige positive Befunde für einen Gruppenvergleich

Über alle Gruppen hinweg wurde bei 5 von 130 Beurteilungen mit dem CAM-ICU und bei 8 von 115 Beurteilungen mit dem ICDSC ein Delir festgestellt. Diese Nenner beziehen sich auf Beurteilungen, nicht auf Patienten: Der Anteil betroffener Personen lässt sich daraus nicht direkt berechnen.

Den Autoren zufolge erlaubten diese Ergebnisse keinen statistischen Vergleich zwischen den Gruppen. Mehrere Beurteilungen fehlten wegen Sedierung, frühzeitiger Entlassung von der Intensivstation oder Verlegung. Organisatorische Einschränkungen führten außerdem zu Abweichungen von der randomisierten Zuteilung.

Ein Hinweis auf Machbarkeit, keine Sicherheitsgarantie

Es wurden keine mit den Interventionen verbundenen unerwünschten Ereignisse berichtet, und weder Patienten noch Behandlungspersonal äußerten diesbezügliche Bedenken. Diese Feststellung bleibt auf die kleine Stichprobe und die Studienbedingungen begrenzt.

Das nützliche Ergebnis betrifft somit vor allem die Organisation der Versorgung: Diese Interventionen lassen sich trotz logistischer Schwierigkeiten umsetzen. Um einen möglichen Nutzen gegen Delir nachzuweisen, schlagen die Autoren größere Studien mit Hochrisikopopulationen vor.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Es wurde nur die Zusammenfassung auf Europe PMC eingesehen, nicht der Volltext. Die geringe Teilnehmerzahl, fehlende Beurteilungen, Abweichungen von der Randomisierung und pandemiebedingte Störungen schränken die Interpretation ein. Die genauen Interventionsmodalitäten, die Finanzierung und Interessenkonflikte wurden nicht überprüft.

Was wir daraus mitnehmen können

Diese Studie stützt die Machbarkeit, umgebungsbezogene Interventionen auf herzchirurgischen Intensivstationen zu testen. Sie belegt nicht, dass eine Waldumgebung oder eine Lichtexposition Delir verringern.

Quellen und Herkunft

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