Chronische Schmerzen: Begleitete Online-KVT verbessert die Symptome, doch die Zweijahresdaten bleiben wenig belastbar

Ein Onlineprogramm zur kognitiven Verhaltenstherapie mit telefonischer Begleitung verringerte die Beeinträchtigungen durch chronische Schmerzen bei Erwachsenen in Irland. Die randomisierte Studie berichtet nach dem Programm auch über Verbesserungen bei der durchschnittlichen Schmerzintensität, Angst und Depression. Die zahlreichen Ausfälle bei der Nachbeobachtung schränken die Aussagekraft nach zwei Jahren jedoch stark ein.

Eine Person sieht sich auf einem Computer ein Programm zur kognitiven Verhaltenstherapie an, daneben liegt ein Telefon.
MindsetRedaktionelle Illustration, keine Daten aus der Studie.

Ein begleitetes Programm im Vergleich zur üblichen Versorgung

Die Forschenden teilten 133 Erwachsene mit chronischen Schmerzen nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zu. Die erste Gruppe mit 66 Teilnehmenden erhielt den Pain Course: fünf Onlinelektionen über acht Wochen mit klinischer Unterstützung. Die übrigen 67 Teilnehmenden erhielten weiterhin ihre übliche Versorgung und warteten auf einen späteren Zugang zum Programm.

Der primäre Endpunkt war die Beeinträchtigung von Aktivitäten durch Schmerzen, nicht allein die Schmerzintensität. Die Forschenden erfassten außerdem Depression, Angst, durchschnittliche Schmerzintensität, Bewegungsangst, Schmerzakzeptanz und das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit den Schmerzen umzugehen.

Verbesserungen nach acht Wochen

Am Ende des Programms waren die Verbesserungen bei funktionellen Beeinträchtigungen, Angst, Depression und durchschnittlicher Schmerzintensität in der behandelten Gruppe signifikant größer. Die für diese Messgrößen berichteten standardisierten Effektstärken lagen zwischen 0,48 und 1,00. Sie beschreiben Unterschiede zwischen den Gruppen, nicht die individuelle Wahrscheinlichkeit einer Linderung.

Die Abschlussquote des Programms betrug 80 %. Die durchschnittliche Kontaktzeit mit einer klinischen Fachkraft lag bei etwa 81 Minuten pro Person. Dieses Ergebnis bezieht sich also auf eine begleitete Intervention: Daraus lassen sich nicht dieselben Vorteile für eine allein genutzte App ableiten.

Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus der Vergleichsbedingung. Die Studie zeigt einen Vorteil gegenüber der üblichen Versorgung mit späterem Programmzugang, vergleicht das Programm aber weder mit einer KVT in Präsenz noch mit einer anderen Intervention mit vergleichbarer klinischer Zuwendung.

Nach zwei Jahren antworten nur noch 44 % der behandelten Gruppe

Nach drei Monaten nahmen noch 55 Personen aus der behandelten Gruppe an der Nachbeobachtung teil, also 83 %. Die Verbesserungen blieben bestehen oder nahmen weiter zu. Nach zwei Jahren antworteten nur noch 29 Personen, also 44 % der ursprünglichen Gruppe.

Bei diesen Antwortenden blieben die Effekte weitgehend erhalten. Ihr Verlauf entspricht aber nicht zwangsläufig dem der Personen, die nicht mehr erreicht wurden. Zudem betrifft die in der Zusammenfassung beschriebene längere Nachbeobachtung ausschließlich die behandelte Gruppe: Sie belegt keinen fortbestehenden Vorteil gegenüber einer Vergleichsgruppe nach zwei Jahren.

Die Grenzen, die du im Blick behalten solltest

Es wurde nur die Zusammenfassung auf Europe PMC eingesehen, nicht der Volltext. Die hohe Ausfallquote und der fehlende längerfristige Vergleich schränken die Interpretation der Zweijahresdaten ein. Die Zusammenfassung enthält keine näheren Angaben zu unerwünschten Wirkungen. Finanzierung und Interessenkonflikte wurden nicht überprüft.

Was wir daraus mitnehmen können

Diese Studie spricht für den Nutzen einer begleiteten Online-KVT, um die Beeinträchtigungen durch chronische Schmerzen kurzfristig zu verringern. Sie belegt weder ein Verschwinden der Schmerzen noch einen dauerhaften Nutzen für alle Teilnehmenden.

Quellen und Herkunft

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